Vor jedem Launch das Gleiche: Du setzt dich hin, öffnest ein leeres Dokument und schreibst zehn, fünfzehn Mails neu. Unter Zeitdruck, neben Kundenterminen und Inhalten. Am Ende verkauft der Launch ordentlich, aber du bist erschöpft und weißt nicht genau, welche Mail eigentlich gewirkt hat. Das muss nicht so sein. Eine gute Launch-Strecke baust du einmal und nutzt sie dann bei jedem Launch wieder. Hier erfährst du, wie sie aufgebaut ist und was du jedes Mal anpasst.
Warum Launches so viel Kraft kosten
Das Problem ist selten das Angebot. Das Problem ist, dass jeder Launch bei null beginnt. Die Mails werden aus dem Bauch geschrieben, die Abfolge ist jedes Mal etwas anders, und nach dem Launch wird nichts festgehalten. Beim nächsten Mal weißt du nicht mehr, welche Betreffzeile gezogen hat und an welcher Stelle die meisten Verkäufe kamen.
Dazu kommt ein zweites Problem: Wenn deine Liste zwischen den Launches nichts von dir hört, wirkt jede Verkaufsmail plötzlich und aufdringlich. Die Strecke unten löst beides. Sie hat eine feste Struktur, die du wiederverwendest, und sie beginnt nicht mit dem Verkauf, sondern mit dem Aufwärmen.
Die fünf Phasen im Überblick
| Phase | Zeitraum | Mails | Ziel |
|---|---|---|---|
| Vorlauf | 7 bis 10 Tage vorher | 2 bis 3 | Thema und Problem aufwärmen |
| Öffnung | Tag 1 | 1 | Angebot klar vorstellen |
| Mitte | Tag 2 bis 5 | 2 bis 3 | Einwände beantworten |
| Schließung | Letzte 48 Stunden | 2 bis 3 | Entscheidung herbeiführen |
| Nachlauf | Nach dem Ende | 1 bis 2 | Käufer begrüßen, Rest abholen |
Insgesamt sind das acht bis zwölf Mails über rund zwei Wochen. Das klingt nach viel, verteilt sich aber auf klar getrennte Aufgaben. Und weil die Struktur feststeht, schreibst du beim nächsten Launch nur noch die Teile neu, die sich wirklich ändern.
Vorlauf: Aufwärmen ohne Verkaufen
- Zeitraum
- 7 bis 10 Tage vor der Öffnung
- Inhalt
- Problem, Geschichte, kostenloser Mehrwert
- Verkauf
- Noch keiner
Im Vorlauf geht es nur um das Problem, das dein Angebot löst. Du erzählst, warum dich das Thema beschäftigt, teilst eine Geschichte aus deiner Arbeit oder gibst einen konkreten Tipp, den deine Leser sofort umsetzen können. Am Ende der letzten Vorlauf-Mail kündigst du an, dass bald etwas kommt.
Ein guter Trick: Stell in einer Vorlauf-Mail eine Frage, auf die man mit einem Klick antworten kann, etwa „Was hält dich gerade am meisten davon ab?“ mit zwei, drei Antwortmöglichkeiten. Wer klickt, zeigt Interesse und bekommt später eine passendere Mail. Und du erfährst nebenbei, welche Einwände du in der Mitte beantworten musst.
Öffnung: Das Angebot klar machen
Die Öffnungsmail ist die wichtigste der ganzen Strecke. Sie muss in wenigen Sätzen klar machen, was das Angebot ist, für wen es gedacht ist, was es kostet und bis wann es verfügbar ist. Keine langen Umwege, keine künstliche Spannung.
BetreffDie Türen sind offen
VorschauBis Sonntag, 20 Uhr, kannst du dabei sein.
Hallo Lena,
ab heute kannst du dich für „Klarer Kalender“ anmelden, meinen sechswöchigen Kurs für Selbstständige, die ihre Woche wieder selbst planen wollen. Du bekommst sechs Module, wöchentliche Fragerunden und alle Vorlagen. Die Anmeldung ist bis Sonntag, 20 Uhr, offen.
Alle Details ansehen
Kursname, Inhalte und Frist im Beispiel ersetzt du natürlich durch deine eigenen. Entscheidend ist die Klarheit: Wer die Mail nach zehn Sekunden schließt, sollte trotzdem wissen, worum es geht.
Mitte: Einwände beantworten
- Zeitraum
- Tag 2 bis 5
- Inhalt
- Je Mail ein Einwand
- Ton
- Ehrlich, nicht drängend
In der Mitte des Launches wird es oft still. Die Begeisterten haben schon gekauft, die anderen zögern. Genau hier verkaufen die meisten Strecken zu wenig, weil die Mails nur wiederholen, dass der Kurs noch offen ist.
Besser ist es, in jeder Mail genau einen Einwand aufzugreifen. Typische Einwände sind: keine Zeit, zu teuer, nicht sicher, ob es für mich passt, schon andere Kurse gekauft und nicht durchgezogen. Beantworte jeden ehrlich, am besten mit einer konkreten Geschichte einer Teilnehmerin oder eines Teilnehmers.
Betreff„Ich habe doch keine Zeit für einen Kurs“
VorschauDas hat Miriam auch gesagt.
Hallo Lena,
diesen Satz höre ich bei jedem Launch. Deshalb dauert jedes Modul höchstens 45 Minuten, und die Aufgaben baust du direkt in deine eigene Woche ein. Miriam hat den Kurs neben zwei Kindern und Vollzeit-Selbstständigkeit gemacht. Was sie danach anders macht, erzählt sie hier.
Miriams Geschichte lesen
Verwende nur echte Geschichten von echten Teilnehmenden, und frag vorher um Erlaubnis. Erfundene Erfolgsgeschichten fallen früher oder später auf und kosten mehr Vertrauen, als sie bringen.
Schließung: Die letzten 48 Stunden
In den letzten beiden Tagen kommen bei den meisten Launches besonders viele Anmeldungen. Viele Menschen entscheiden erst, wenn klar ist, dass die Gelegenheit endet. Plane deshalb zwei bis drei Mails in diesem Zeitraum: eine am Vortag, eine am letzten Tag und eine wenige Stunden vor Schluss.
BetreffHeute um 20 Uhr ist Schluss
VorschauDanach öffne ich den Kurs erst im Frühjahr wieder.
Hallo Lena,
nur eine kurze Erinnerung: Die Anmeldung schließt heute um 20 Uhr. Wenn du noch überlegst, schau dir die häufigsten Fragen an. Und wenn es gerade nicht passt, ist das völlig in Ordnung. Dann sehen wir uns beim nächsten Mal.
Jetzt anmelden
Wichtig: Die Frist muss echt sein. Wenn du nach der Schließung heimlich verlängerst oder den Kurs einfach weiter verkaufst, merkt deine Liste das beim nächsten Launch. Und erfundene Fristen können als irreführende Werbung abgemahnt werden.
Wer welche Mail bekommt
Eine Launch-Strecke verliert schnell an Wirkung, wenn alle Kontakte alle Mails bekommen. Diese drei Regeln machen den größten Unterschied:
- Wer gekauft hat, verlässt sofort die Verkaufsmails und bekommt stattdessen eine Willkommensmail für den Kurs.
- Wer kein Interesse an diesem Thema hat, kann sich mit einem Klick aus dem Launch austragen, ohne den Newsletter zu verlassen. Ein Satz wie „Dieses Thema ist gerade nichts für dich? Hier klicken, dann bekommst du bis Sonntag keine Mails mehr dazu“ reicht.
- Wer auf die Verkaufsseite geklickt, aber nicht gekauft hat, bekommt in der Schließungsphase eine zusätzliche, persönlichere Mail.
Die zweite Regel kostet dich auf den ersten Blick Reichweite. In der Praxis sorgt sie aber dafür, dass sich deutlich weniger Menschen ganz von deiner Liste abmelden. Und die bleiben dir für den nächsten Launch erhalten.
Rechtlich gilt dabei wie immer: Verkaufsmails gehen nur an Kontakte mit Einwilligung, idealerweise per Double-Opt-In über dein Freebie. Bisherige Käufer kannst du unter den Voraussetzungen von § 7 Abs. 3 UWG auch ohne Newsletter-Einwilligung auf thematisch passende Folgekurse hinweisen.
Aus der Strecke wird eine Vorlage
Nach dem Launch kommt der wichtigste Schritt, den fast alle auslassen: das Festhalten. Speichere die gesamte Strecke in deinem E-Mail-Tool als Vorlage und notiere zu jeder Mail drei Dinge: wie viele Klicks sie bekommen hat, wie viele Verkäufe danach kamen und was du beim nächsten Mal ändern würdest.
Beim nächsten Launch passt du dann nur noch an, was sich wirklich ändert:
- Daten, Fristen und Preise
- Angebot, Boni und Inhalte
- Geschichten und Beispiele, damit es nicht nach Wiederholung klingt
- Die schwächste Mail des letzten Launches
Struktur, Abfolge, Segmentierung und Technik bleiben. So schreibst du beim nächsten Launch nicht mehr zwölf Mails neu, sondern überarbeitest drei oder vier. Und jeder Launch wird ein bisschen besser als der vorherige.
Zwischen den Launches: Die stärkste Launch-Strecke bringt wenig, wenn deine Liste vorher monatelang nichts von dir gehört hat. Eine Willkommensstrecke für neue Kontakte und eine laufende Evergreen-Sequenz halten die Beziehung warm. Mehr dazu in unserem Beitrag zu den fünf wichtigsten E-Mail-Automationen.
Checkliste zum Abhaken
- Vorlauf ohne Verkauf, mit echtem Mehrwert
- Klick-Frage im Vorlauf zu den Einwänden
- Öffnungsmail nennt Angebot, Preis und Frist
- Je Mail in der Mitte genau ein Einwand
- Nur echte Geschichten mit Erlaubnis
- Zwei bis drei Mails in den letzten 48 Stunden
- Frist ist echt und wird eingehalten
- Käufer verlassen sofort die Verkaufsmails
- Austragen aus dem Launch mit einem Klick
- Klicker ohne Kauf bekommen eine extra Mail
- Strecke nach dem Launch als Vorlage gespeichert
- Zahlen je Mail notiert
